Blindflug, aber keine Bonusmeilen am Estering

19.06.2017

Nicht nur der Staub verdeckte den Fahrern die Sicht beim dritten Lauf der Deutschen Rallycross Meisterschaft powered by Toyo Tires. Am Estering "überschlugen" sich regelrecht die Ereignisse.

Glück und Unglück bei den Supernationals

Für Kurt Umland vom Team Umland Racing war das Wochenende schon fast vorbei, bevor es überhaupt angefangen hatte. Am Freitag Abend drehten wir wie üblich nach unserer Anreise unsere Begrüßungsrunde durch das Fahrerlager. Als wir am Team-Zelt vom Umland Racing ankamen stellten wir schnell fest, dass zwar wie üblich Florians Citroen AX und auch Andreas Huschenbetts Opel Corsa darin standen, jedoch aber Kurts weißer VW #Franky Polo immernoch fehlte. In einem kurzen Interview mit Kurt erfuhren wir, dass der Polo mit einem bis dato unerklärlichen Defekt noch in den eigenen Werkstatthallen steht. Das Team versuchte am Freitag noch bis 1.00 Uhr nachts den Fehler zu finden und zu reparieren. Letztendlich gelang dieses Vorhaben leider nicht und man entschied sich kurzfristig dazu, dass Kurt nun im nicht ganz so leistungsstarken Suzuki Swift seiner Tochter an den Start geht, da sie ja selbst nach wie vor auf Grund ihrer Knieverletzung nicht fahren kann. Zwar schaffte es Kurt zeitentechnisch mit P19 im Q3 nicht in die Semi-Finals, dennoch aber hatte er sich sehr gefreut auf dem Estering fahren zu dürfen. Und zugegeben, es wäre auch wirklich sehr schade gewesen, wenn der Teamchef selbst bei seinem Heimrennen, nur wenige Minuten von seiner Haustür entfernt, nicht hätte starten können. 
Für Andreas Huschenbett verlief das Wochenende regelrecht mit einem Auf-und-Ab. Am Samstag stellte man beim Team Huschenbett Racing ein Fehler am Steuergerät fest, was zugleich bedeutete, dass Andreas im Q1 bei den Supernationals selbst viel Zeit verlor. Er schaffte es sich aber zurück zu kämpfen und sicherte sich seinen Platz für das Semi-Finale. In diesem kam es leider zu einem heftigen Unfall von Swen Grupe. Bei diesem traf Andreas in der Bergauf-Schotter-Passage unglücklich und nur leicht das Heck von Grupes orangenen Golf II, wodurch dieser sich in die Bande drehte und sich mehrmals überschlug. Für Swen bedeutet dies nun bis zum vierten Lauf in Belgien im September viel Arbeit, um dort hoffentlich wieder mitfahren zu können. Sicherlich ist dies eine einschlägige Erfahrung und ein Flug ohne Bonusmeilen gewesen, auf welchen Passagier Grupe wohl liebend gern verzichtet hätte. Wir sind uns aber auch sicher, dass dieser Vorfall bei Andreas für den restlichen Verlauf einen faden Beigeschmack mit sich trug. Die gute Nachricht jedoch ist, und das ist die Hauptsache, der Überollkäfig hat seinen Zweck erfüllt und Swen Grupe geht es gut. Für Huschenbett lief der Vorfall noch glimpflich ab und er erreichte das Finale, welches er dann tatsächlich auf dem dritten Platz, hinter einem mit neuem Fahrzeug antretenden und sehr starken Frank Lehmann auf Platz 2 und einem an diesem Wochenende unschlagbaren Ole Bech auf Platz 1, mit einem Podium beendete. 


Freud und Leid, aber auch viel Respekt bei den Rallycars

Für Oliver Strelow vom Team Huschenbett Racing, der sich ja wie bekannt den Corsa mit Andreas Huschenbett teilt, führte am Estering ein Problem zum nächsten. Erst gab es den bereits zuvor erwähnten Defekt am Fahrzeug und als er dann doch endlich starten durfte überholte er unerlaubt bei gelber Flagge, weshalb man ihn daraufhin aus der Wertung nahm. Ebenfalls vorzeitig vorbei war das Wochenende für David Weigand. Eines kann man bei den Rallycars mit Sicherheit behaupten, David Weigands BMW 3er Coupe ist ein hübsches und pfeilschnelles Biest. Allerdings schien dieses Biest nun am Estering außer Rand und Band gewesen zu sein, denn sein Heck brach hier und da gerne und weit aus. Jedoch war es in Q2 dann irgendwann zu viel des Guten. In der oberen Schotterpassage verlor David die Kontrolle über das Biest und es schlug mit voller Wucht frontal in die Streckenbegrenzung. Die Zeichen für eine Reparatur stehen aktuell nicht so gut, doch wir würden uns nicht wundern, wenn das Biest im September doch wieder wild fauchend und kampfbereit am Teufelsberg in Belgien an der Startlinie steht.
Auch beim Team von PR-Motorsport gab und gibt es noch viel Arbeit. Bei Thomas Freiwang war auf dem Estering deutlich zu sehen, dass der Rookie noch viel zu lernen hat. Nicht selten schwänzelte das Heck des 3er BMWs beim Ausgang aus den Kurven wild hin und her. Wobei man aber auch sagen muss, dass viele der Hecktriebler im DRX-Starterfeld so ihre Mühe und Not hatten im Schotterbereich richtig vorwärts zu kommen. Bei Christopher Mercer hingegen schlug wieder mal der Defektteufel zu und man sah den Subaru plötzlich auf der Strecke langsamer werden. Das gesamte Team, inklusive des Teamchefs Romano Schultz selbst, arbeitete bis in die Nacht akribisch an Mercers Impreza. Christopher konnte zwar am Folgetag wieder ins Renngeschehen eingreifen, jedoch reichte es am Ende nur für das Semi-Finale.
Den Operhammer auf dem Estering schlechthin lieferte uns aber Dietmar Brandt im Semi-Finale. Das Rennen startete und plötzlich klappte die Haube an Brandts Audi A4 nach oben. Doch wer jetzt meint dass Brandt zurücksteckte, der liegt absolut falsch, denn Dietmar raste zwar im Blindflug, aber mit einem Affenzahn über den Kurs und um den Sieg. Am Ende des Semis reichte es dann zwar nur für P2 hinter Bastian Sichelschmidt, aber mit diesem Move hat sich Dietmar Brandt im Fahrerlager und bei den jubelnden Fans an der Strecke viel Respekt verdient. Im darauf folgenden Finale aber holte sich Brandt seinen verdienten ersten Platz zurück, gefolgt von Michel Grünwald auf P2 und Bastian Sichelschmidt auf P3.

Überragende Altmeister und Überraschungssieger bei den Produktionswagen

In der Klasse der Produktionswagen (PW) bis 1400cc setzte Altmeister Ulrich Riese nach Gründau seine Erfolgstour fort und holte sich dominierend den Sieg, dahinter kamen der DMSJunior Philipp Büssemaker auf dem zweiten Platz und Florian Umland auf Platz drei. Bernd Genz kämpfte zwar am gesmaten Wochenende mit um einen Podiumsplatz, am Ende setzte sich aber Umland gegen ihn durch und es reichte nur zu Platz 4 im Finale.
Einen Überraschungssieger gab es hingegen bei den PW über 1400cc. Ganz still und heimlich schlich sich am Sonntag Maik Böhling mit seinem Ford Focus auf den ersten Platz, denn keiner hatte ihn dabei so wirklich auf dem Schirm. Noch in den Rennen zuvor sah eigenlich alles danach aus, dass Daniel Genz als Sieger in der Gruppe hervorgehen würde. Vielleicht wirkte aber auch der Vorfall, bei dem sich Manfred Streginski im Kampf um die Plätze drehte und das restliche Feld etwas eingebremst wurde, ein wenig mit. So oder so gratulieren wir hier herzlichst Maik Böhling zum Sieg, sowie Daniel Genz zum zweiten und Sven Breckling zum dritten Platz. Für Breckling dürfte dieser dritte Platz auch eine kleine Genugtuung sein, nachdem er beim vergangenen Lauf in Gründau nach nächtlichen, aber erfolglosen Reparaturarbeiten an der Hinterachse, am zweiten Tag nicht mehr antreten konnte. Manfred Streginski musste das Rennen nach dem Dreher leider aufgeben und Heiko Paries bekam die schwarze Flagge gezeigt.

Gemischte Verhältnisse bei den Super1600 und den Supercars      

Im Gegensatz zu den ersten beiden Läufen der DRX sah sich Romano Schultz nun einem größeren und stärkeren Super1600-Feld aus verschiedenen Ländern gegenüber. Vom Potenzial her hätte Romano ganz sicher hier mit um das Podium mitfahren können, jedoch auch im dritten Lauf des Jahres streikte sein neuer Citroen Saxo schon wieder. Auf der Strecke konnten wir beobachten, dass Romano deutlich Probleme hatte seinen Gegnern zu folgen und bei einem Gespräch am Sonntag mit Romanos Mechaniker erfuhren wir, dass der Saxo irgendwie an Leistungsverlust leidet, aber man sich nicht erklären kann woran dies genau liegt. Wollen wir hoffen, dass dieser Fehler bald gefunden wird und das Team endlich mal ein richtiges Erfolgserlebnis feiern kann. Auf Grund des Problems reichte es für Romano Schultz am Estering daher leider nur zu Platz 4.
Dietmar Brandt und Jörg Jockel fuhren bei den Supercars gemeinsam gegen die Teilnehmer der belgischen Meisterschaft, fuhren aber natürlich nur um die Wertung der DRX-Supercars. Während sich Andreas Steffen bei den Belgiern dominant den Sieg holte, war es am Ende zwischen Brandt und Jockel dann doch etwas knapper. Und wenn wir knapp sagen, dann ist dies auch genau so gemeint. Denn in der letzten Runde, kurz vor dem Ausgang der Jokerlap und nur 50m von der Ziellinie entfernt drehte sich plötzlich Jockel um die eigene Achse und blieb stehe, wodurch Brandt noch an ihm vorbeizog und den ersten Platz bei den DRX-Supercars abstaubte. Bei der Siegerehrung stellte sich dann aber heraus, dass ein Schaden an Jockels Focus diesen Dreher verursachte. Wie dem auch sei, Jörg Jockel ärgerte sich vielleicht etwas darüber, aber hatte laut eigener Aussage so viel Spaß wie schon lange nicht mehr.

Und mit diesem doch leicht emotionalen Statement begeben wir uns nun in die Sommerpause und sehen uns am 09. und 10. September zum 4. Lauf in Belgien wieder.


Foto by Estering