Voller Erfolg am Estering

21.06.2016


Überraschungen, Premieren und historische Momente
 
Trotz des großen Starterfeldes liefen die Rennen weitgehend friedlich, fair und unfallfrei ab. Trotzdem gab es einige Überraschungen, Premieren und historische Momente beim dritten Lauf zur DRX 2016.
 
Fangen wir mit den Überraschungen an. Dass Gerhard Völzer anstelle von Dustin Völzer hinter dem Steuer sitzen würde, war im Vorfeld eine kleine Überraschung. Wegen einer Erkrankung wollte Dustin nichts riskieren und so durfte zum dritten Mal in Folge der dreifache Meister hinter dem Steuer des Opel Manta sitzen. Er bekam wieder einen deftigen Rempler ins Heck, das tief eingedrückt wurde. Das hatte offenbar schwerwiegende Folgen, denn ein Hinterreifen machte schlapp. Völzer konnte sich zunächst noch halten, doch in der Jokerlap, die aufgrund des Starkregens am Vorabend sehr tiefen Schotter aufwies und daher ganz besonders langsam war, verlor er zusätzlich Zeit und drei Kontrahenten flutschten durch. So verpasste er – knapp aber doch überraschend – das Finale. Klar, den Schweden Uffe Arwidson hatte jeder als Sieger im Vorfeld auf dem Zettel, doch trotz brillanter Qualifikation konnte der Gaststarter nicht den Sieg einfahren, Bartek Ruszczynski hatte sich festgebissen und dem Buckelvolvo auf den letzten Metern noch die Führung abgeluchst.
 
Spitzenreiter der Tabelle verpassen Podiumsplätze
 
Völzer nicht im Finale, Tabellenführer Andreas Huschenbett und Titelverteidiger Marco Wittkovski belegen nur die Positionen vier und fünf. Am Ende konnte keiner der ersten vier Piloten in der Meisterschaftstabelle einen Podiumsplatz erkämpfen, denn auch Dietmar Brandt patzte bei den Supercars und belegte dort nur Rang fünf. Das Finale wurde eine Show zwischen zwei Supercar-Newcomern. Mattias „Gas-Meyer“ Meyer fegte mit seinem Skoda Fabia um den Kurs und duellierte sich rundenlang mit Mandie August und ihrem Audi S3. Beide fahren erstmals mit Supercars, schlugen sich beachtlich, gingen sehr fair miteinander um und sorgten trotzdem für einige Positionswechsel, bis am Ende Mandie August die Nase vorn hatte. Die erste Dame, die auf dem Estering ein Supercar-Finale gewinnt! Nebenbei dominierte ihr Partner, WM-Fahrer René Münnich, mit seinem Seat Ibiza das Finale der belgischen Supercars und markierte damit ein weiteres historisches Merkmal – wann gab es schließlich ein Pärchen, dass bei einer Rallycross-Doppelveranstaltung jeweils Siege bei den Supercars eingefahren hat?
 
Die Super1600er verloren bereits am Samstag mit Ralph Wilhelm einen vielversprechenden Lokalmatadoren. Am Freitag hatte er noch den Motor ausgebaut und revidiert, dann zwang ein Getriebeschaden zum Aufgeben. Die Frage, ob nun Sven Seeliger oder der Tscheche Pavel Vimmer den Sieg einfährt, war im Finale rasch beantwortet. Mit einigem Vorsprung sicherte sich Seeliger hier den Sieg. Schade, dass der Ex-Europameister nur sporadisch in der DRX dabei ist. Für Alexander Langer springt mit Platz drei ein Podestplatz heraus.
 
Rallycross-Pokal bleibt spannend
 
Auch im Kampf um den Rallycross-Pokal bleibt es weiter eng. Dietmar Brandt siegt bei den Rallycars vor seinem Team- und Vereinskameraden Sven Petereit. Das konnte man so nicht ohne weiteres erwarten, schließlich hatten Frank Eichelberg und Michael Grünwald sich hinter dem Tabellenführer qualifiziert. Jeder aus diesem Trio hatte mal eine Bestzeit markiert und für Eichelberg wäre sicher noch mehr drin gewesen, wenn er nicht nach einem Unfall auf der Höhengerade in Schwierigkeiten gekommen wäre. Zu allem Überfluss fallen Eichelberg und Grünwald im Finale vorzeitig aus und werden so um den Lohn ihrer bis dahin sehr guten Leistungen gebracht.
 
Brandt bleibt damit weiter Spitzenreiter im Pokal, denn bei den Produktionswagen büßten Bernd und Daniel Genz ein paar Zähler ein. Für die wohl größte Überraschung sorgte hier der Rallycross-Junior Jan Eriksson. Mit seinem heckgetriebenen Toyota Starlet konnte der erst 14jährige tatsächlich das Finale der Produktionswagen bis 1400ccm gewinnen. Florian Umland und Jan Spiller folgten ihm und sorgten dafür, dass auch hier die Bestplatzierten aus der Tabelle keinen Podestplatz erringen konnten. Für Andreas Blume und Bernd Genz blieben nur die Positionen vier und fünf. In der Qualifikation hatten Björn Brüning-Zedler und Ulrich Riese sich mit Bestzeiten abgewechselt, doch beide mussten im Finale vorzeitig die Segel streichen. „BBZ“ fiel früh aus, aber Uli Riese hatte die wedelnde Zielflagge bereits dicht vor Augen, als er auf den letzten Metern das Lenkrad herumriss und auf dem Grünstreifen parkte. Zuvor klebte er rundenlang am Heck des Toyota von Eriksson, fand aber keine Lücke, um an dem Junior vorbeizugehen. Die Produktionswagen über 1400ccm dominierte wie schon beim Saisonauftakt auf dem Lausitzring Lukas Ney. Rallycross-Rückkehrer Heiko Paries hat nichts verlernt und folgt ihm auf dem Fuße.


Bericht: Sven Kopf
Foto: Vanessa Bletz