Schlüchtern Flat out

16.07.2015

Wenn auf der letzten Rille gefahren wird, die Piloten alles geben und aus ihren Rennwagen herausholen, sie geradezu auswringen, dann befinden sich Mensch und Maschine am Limit. Gerne wird hierfür die Wendung „Flat out“ verwendet. Die Fans des Weltmeisterschaftsfahrers Andreas Bakkerud bauten beispielsweise ein meterlanges Banner vor ihrer Tribüne im schwedischen Höljes auf, um ihren Schützling auf diese Weise zu sagen, er möge bitte alles geben, was herauszuholen ist.

Das gibt es auch in der Deutschen Meisterschaft, die Banner sind hier etwas kleiner und die Autos vielleicht nicht ganz so schnell, aber hart am Limit geht man in der DRX auch zu Werke. Das zeigte sich am vergangenen Wochenende im hessischen Schlüchtern, trotz gut vorbereiteter Piste wurden viele Fahrer von Reifenpannen heimgesucht. Das kommt eben dabei raus, wenn die letzte Rille über Gebühr hinaus belastet wird. Viel Schaden ist das meistens nicht und ein Reifen ist rasch gewechselt, aber für einige Fahrer waren die schlappen Pneus kriegsentscheidend.

Einer der Opfer war Bernd Schomaker. Er lieferte ein souveränes Rennwochenende und behauptete diese Leistung auch im Finale. Doch sein leistungsstarker Skoda wurde wenige Runden vor dem Ziel durch einen Plattfuß eingebremst, die Verfolger rückten ihm auf den Pelz und als er dann den kleinen Umweg durch die Jokerlap fuhr, schlüpfte die Konkurrenz durch.

Er behauptet weiter die Führung, auch wenn es schlimmer hätte kommen können. Bis wenige Tage vor dem Rennwochenende gingen viele davon aus, dass er und sein Teamgefährte Marco Wittkovski gar nicht dabei sein würden, wenn die Halbzeitveranstaltung der DRX ausgetragen wird. Man vermutete – und einige Konkurrenten mögen auch gehofft haben – dass die beiden ihrem Teammitglied Sven Seeliger nach Litauen folgen, um dort bei der Rallycross Challenge dabei zu sein. Das hätte sichere Wechsel der Tabellenspitzen bedeutet - doch beide traten an und verteidigten ihre Tabellenpositionen. Das zeigt auch, wie wichtig ihnen die DRX ist und es hält die Meisterschaft weiter spannend.

Sein Teamkollege bei den Supernationals hat mehr Glück und baut mit einem Sieg die Tabellenführung weiter aus. Derweil kommt Titelverteidiger Bartek wieder in Fahrt und belegt Position zwei. Markus Schmitt bekommt nach dem Start einen Schubser von hinten und dreht sich direkt vor der ersten Kurve, das Feld passiert ihn und er kann zunächst mit deutlichem Abstand weiterfahren - dann dreht er sich aber nur wenige Augenblicke später wegen eines Plattfußes, wieder entscheidet das Gummi, ob ein Fahrer das Ziel sieht oder nicht. Pechvogel des Wochenendes war in dieser Klasse Erik Jockel. Technische Probleme an seinem VW Polo sorgten für eine wahre Menschentraube an Helfern, Fahrer und Mechaniker verschiedener Lager versuchten gemeinsam, das Fahrzeug wieder zum Laufen zu bringen. Man hatte das Fahrzeug kurzerhand in das Zelt von Anderas Huhn geschoben und alle packten mit an, den Renner zu reparieren. Leider halfen alle Mühen nichts, für Erik Jockel ging es nicht weiter. Immerhin zeigte sich, wie sehr die kleine Gemeinde der DRX zusammen hält, auch wenn großer Konkurrenzdruck zwischen den Teams herrschen mag.

Im DRX-Cup war auch richtig was los. Bei Florian Umland war ein Plattfuß noch das kleinste Übel. Verheerende Folgen für ihn hatte es, dass sein Citroen AX GTi seine Radhäuser auf der Strecke abgeworfen hat. Die Sportkommissare entschieden daraufhin, ihn zu disqualifizieren und ohne Meisterschaftspunkte nach Hause zu schicken. So wird er in der Tabelle aus den Top-drei gespült. Philip Weidinger verteidigte, mit eine souveränen Sieg, seine Tabellenführung vor Florian Viehman.

Dominator Hans Kirchhof ließ mit einem Sieg in der Trophy nichts anbrennen. Wäre er bei den Supernationals gestartet und hätte dort dieses Ergebnis eingefahren – er läge in der Meisterschaftstabelle auf Position zwei, obwohl er bisher nur zwei von drei Läufen absolviert hatte. Hinter ihm sichert sich Dietmar Brandt Position zwei und baut die Tabellenführung weiter aus. Der Tabellenzweite, Bastian Sichelschmidt, war mit plattem Reifen zurück gefallen. So schien in jeder Klasse der Reifenteufel zuzuschlagen. Für einen besonders bemerkenswerten Moment sorgten die Geschwister Riese. Jannik und Nina eroberten mit Platz drei den letzten Podiumsplatz in dieser Klasse und machen damit einen riesigen Schritt nach vorn.

 

TEXT: Sven Kopf
BILD: Ralf Hofacker - Lichtacker