Es geht wieder los!

14.04.2016

Nach einer langen Winterpause starteten eine Woche vor dem Beginn der Rallycross-Weltmeisterschaft auch die Protagonisten der DRX in ihre Saison. Wieder einmal zeigte sich, dass es eine sehr gute Idee gewesen ist, einen nationalen Meisterschaftslauf mit einem Lauf eines europäischen Nachbarn zu kombinieren. Diesmal waren es die Polen, die am 09./10. April mit von der Partie waren. Auf diese Weise kommt es zu zusätzlichen spannenden Duellen, randvollen Starterfeldern und einem interessanten Austausch zwischen den Teilnehmern. Eine für 2016 vorgenommene Änderung im Regelwerk sah außerdem vor, dass Fahrer aus dem Ausland für die Meisterschaft punktberechtigt sein sollten. Das war in den letzten Jahren nicht der Fall und nun erhoffte man sich wieder mehr internationale Starter auf der Jagd nach der Deutschen Meisterschaftskrone. Im Regelwerk näherte man sich weiter den Statuten der Weltmeisterschaft an. Nun werden keine A- oder B-Finale mehr gefahren, sondern die schnellsten Fahrer werden in zwei Halbfinals gegeneinander antreten. Daraus ermitteln sich wieder jeweils die vier schnellsten Piloten, die dann im Finale des Tages den Tagessieg unter sich ausmachen. Dabei gibt es nicht mehr wie früher nur im Finale Punkte, sondern bereits in der Qualifikation und allen Finalläufen. Für ein Novum in der mehr als vierzigjährigen Rallycross-Historie sorgte Andreas Huhn, der mit seinem Fiat Punto zum ersten Mal ein Dieselfahrzeug in der Deutschen Rallycross Meisterschaft einsetzte.

Besonders beeindruckend war die große Anzahl an leistungsstarken Supercars, die die Polen an die Strecke brachten. Hier hatten die deutschen Fahrerinnen und Fahrer einigen Gegenwind zu erwarten. Doch schnell zeigt sich, dass die Deutschen die passenden Antworten parat hatten. Newcomer Matthias Meyer hatte sich für seine erste Rallycross-Saison gleich das Meisterauto des Vorjahres zugelegt. Ohne ausgiebige Tests ging es zum ersten Rennen. Der erfolgreiche Autocrossfahrer fand sich gut zurecht, musste aber eingestehen, dass es noch etwas Arbeit sein wird, den mehr als 500 PS starken Skoda Fabia zu bändigen und sich an die irrsinnige Beschleunigung zu gewöhnen. Trotz Dauerregen am Sonntag hatte Meyer keinen Grund zu klagen: „So kann ich unter allen Bedingungen das Auto kennen lernen“ meint er. In den engen Duellen mit Titelverteidiger Bernd Schomaker (Seat), der auch noch kleinere Probleme aussortieren musste, zog er im Ergebnis aber noch den Kürzeren. Erstmals hatte auch Mandie August den Schritt zu den Supercars gewagt. Mit dem Audi S3, den das Team im letzten Jahr in der Weltmeisterschaft eingesetzt hatte, kam sie besser zurecht, als sie erwartet hatte. Im letzten Qualifikationslauf verhinderte leider ein einziger Dreher, dass sie nicht gewann.

Pechvogel des Tages war Kurt Umland aus Buxtehude. Bereits im Zeittraining kollidierte er mit einer polnischen Fahrerin. Noch bevor er ins Fahrerlager geschleppt wurde, hatte schon ein Zuschauer Kontakt zum Team aufgenommen, um mit einem Kühler auszuhelfen. Das Teil passte leider nicht, so wurden aus Buxtehude Ersatzteile und eine Richtbank herangekarrt. Die ganze Nacht wurde geschraubt und am nächsten Morgen stand das Auto wieder auf der Startplatte. Den Lauf gewinnt Umland, doch im letzten Lauf verliert er direkt nach dem Start ein Hinterrad, verliert die Kontrolle über den Wagen und muss aufgeben. Überhaupt hatten die Rennteams viele kleinere Schäden zu beheben und Fehler auszusortieren. Philipp Weidinger hatte sogar kurzerhand sein Vorjahresauto ausgemottet. Der Berliner hatte einen Peugeot 206 für die neue Saison präpariert, doch bei Testfahrten gab es Probleme, so dass er notgedrungen noch einmal mit seinem VW Polo antreten musste.

Aus dem ersten Semifinale ging Dietmar Brandt als Dritter hervor und sicherte sich die Teilnahme am Finale. Im zweiten Semifinale waren dann fünf von sechs Fahrern deutsche Teilnehmer. Man freute sich bereits auf das direkte Duell zwischen Bernd Schomaker im Ex-Snoeck-Seat und seinem Schützling Matthias Meyer. Schomaker verpatzt allerdings den Start, möglicherweise hatte er wieder die Ampel nicht richtig sehen können. „Der Sitz ist noch etwas hoch, da habe ich Probleme, die Startampel vernünftig zu erkennen“ hatte Schomaker vor den Finalläufen erklärt. Sowohl er als auch Meyer hatten ihre neuen Supercars so gut wie überhaupt nicht vorher testen können. So hatten beide dann auch über das Wochenende das ein oder andere Problem auszusortieren. Im Halbfinale kam dann noch Pech dazu, als Meyer einen Reifenstapel derart unsanft mitnahm, dass rote Flaggen gezückt wurden und ein Rennabbruch erfolgte. Beim Restart fehlten dann Schomaker und Meyer. Kuchar siegt erwartungsgemäß, doch Mandie August zieht als Zweite in ihrem ersten Supercar-Auftritt auf Anhieb ins Finale ein. Nach den Halbfinals wurde es besonders spannend: Die schnellsten Fahrer waren ermittelt und trafen im letzten Finale des Tages aufeinander. Das aus drei polnischen und drei deutschen Fahrern bestehende Feld jagte auf den Schotter zu. Mandie August schlug sich beachtlich, blieb an Thomas Kuchar (Subaru) dran und rückte ihm bedrohlich nahe, doch für ein Überholmanöver reichte es letztlich nicht. Inzwischen waren Pawel Hankiewicz (Skoda) und Mikolaj Otto (Mitsubishi) enteilt, August verpasste das Podium also nur knapp.

Bei den SuperNational, der Meisterschaftswertung für zweiradgetriebene Fahrzeuge, entbrannte zwischen dem dreimaligen Meister Gerhard Völzer (Opel Manta) und dem Youngster Björn Barkhoff (VW Polo) im Finale ein wildes Duell. Barkhoff war als Sieger aus seinem Semifinale hervorgegangen, das andere Semifinale hatte der amtierende Meister Marco Wittkovski für sich entschieden. Im Finale ging es dann noch einmal richtig zur Sache: Gerhard Völzer hatte einen Fehlstart verursacht und wurde verwarnt. Zuvor hatte Barkhoff einige Kommandos und Infos von seinem Vater über Funk erhalten. Der schaute direkt eingangs der Jokerlap dem Rennen zu und gab durch, ob der Abstand zu Völzer reichen könnte. Die Entscheidung fiel, Björn rauschte in die Jokerlap. Doch es war zu knapp, als Barkhoff wieder beschleunigte hatte Völzer bereits den Bereich ausgangs der Jokerlap passiert. Beide hatten bereits einiges an Boden auf die Führenden Marco Wittkovski (VW Golf) und Andreas Huschenbett (Opel Corsa) verloren. Dann knallt Barkhoff in das Heck von Völzers Manta und fällt mit Frontschaden aus, während Völzer die Fahrt fortsetzen kann. Der lachende Dritte wird Philipp Weidinger, der mit einer sehr guten Leistung mit dem Vorjahresauto einen guten Grundstein für die Saison legen kann. Der dritte Podestplatz im Finale ist für ihn der verdiente Lohn des Rennwochenendes.

Bei den Produktionswagen sahen die Zuschauer – am Wochenende sollen es circa 1400 gewesen sein – ein volles Finale. Die Fahrzeuge bis 1400ccm und die darüber wurden im Finale gemeinsam gestartet. Sieben Fahrzeuge traten an, der Nordholzer Lukas Ney hatte diese Klasse mit seinem Citroen Xsara VTS dominiert. Er fuhr Bestzeiten im Zeittraining sowie in zwei Vorläufen und sicherte sich auf diese Weise die Pole-Position vor dem Niederländer Aaron de Haas (Toyota). Der hatte mehrmals die Zündkerzen reinigen müssen, um seinen Neuerwerb richtig fliegen lassen zu können. Ney siegt vor de Haas und Bernd Genz.

Die RallyCars dominiert Dietmar Brandt souverän, mit seinem Audi S4 hatte er bereits 2015 deutlich gezeigt das er nicht zu unterschätzen ist. Im Winter 2015/2016 bekam der Audi eine kleine Kur, Breitbau und Heckspoiler ist aber längst nicht alles beim Team Brandt, denn das rüstet ordentlich auf und kommt gleich mit mehreren neuen Fahrzeugen an den Start. Jeanine Brandt war erstmals mit einem BMW E36 unterwegs und schlägt sich nicht schlecht an diesem Wochenende. Im Subaru Impreza WRX jagte Michael Grünwald hinter Dietmar Brandt hinterher, im Finallauf reichte es für einen zweiten Platz, dicht gefolgt von Jannik Riese mit Christian Braches als Beifahrer im bekannten VW Polo 6N.

Text: Sven Kopf
Bild: Vanessa Bletz